08. Mai 1945 – 2010

Von Max Klaar in der Zeitschrift “SOLDAT IM VOLK” März/April 2010

Klaar

OTL a.D. Max Klaar

Liebe Kameradinnen und liebe Kameraden! Zum 1. September 2009, titelte DER SPIEGEL: „Als Deutschland die Welt überfiel“. Tat Deutschland das wirklich? „Du meine Jüte, ham’ s’et nich’n bisken kleener?“ würde ich als Spandauer fragen, ohne dass mir dabei zum Spaßen zumute wäre. Was ist der Grund solch monströser Unwahrheit über den Kriegsausbruch?

An diesem Tag griff Deutschlands zwar Polen an, das kriegsbereit war und diesen Krieg seit langem wollte, für den es an seiner Grenze mobilgemacht und folglich kampfbereit stand. Es waren aber Großbritannien und Frankreich mit ihren weltumspannenden Kolonialreichen, die daraufhin drei Tage später ihrerseits nur Deutschland den Krieg erklärten, nicht aber der Sowjetunion, die Polen 14 Tage später ebenfalls angriff. Großbritannien und Frankreich machten also aus dem lokalen Konflikt den II. Weltkrieg. Von „Überfall auf Polen“ redet nur der Unwissende oder der Lügner. Die Lüge zielt auf das Unterdrücken der Wahrheit!

Blicken wir noch einmal weiter zurück: Der I. Weltkrieg endete mit den Pariser Vorort-Verträgen, durch welche die Ordnung Kontinentaleuropas und des Nahen Ostens völlig zerstört wurde. Über das Deutschland auferlegte Versailler „Schand-Diktat“, das Philip Scheidemann (SPD) als „Hexenhammer“ gegen die Deutschen qualifizierte, ist viel geschrieben worden. Alle Reichstagsparteien lehnten 1919 die Maßlosigkeit des Versailler Vertrages ab. Die Worte des damaligen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) am Tag nach Zustellung der harten „Friedensbedingungen“ sollten sich als Menetekel erweisen: „Der ehrliche Friedenswille unseres schwer duldenden Volkes fand die erste Antwort in ungemein harten Waffenstillstandsbedingungen. Das deutsche Volk hat die Waffen niedergelegt und alle Verpflichtungen des Waffenstillstandes, so hart sie waren, ehrlich gehalten. Trotzdem setzten unsere Gegner sechs Monate lang den Krieg durch Aufrechterhaltung der Hungerblockade fort. Das deutsche Volk trug alle Lasten im Vertrauen auf die durch die Note vom 5. November von den Alliierten gegebene Zusage, dass der Friede ein Friede des Rechts auf der Grundlage der 14 Punkte Wilsons sein würde. Was uns stattdessen jetzt in den Friedensbedingungen geboten wird, widerspricht der gegebenen Zusage, ist für das deutsche Volk unerträglich und auch bei Aufbietung aller Kräfte unerfüllbar. Gewalt ohne Maß und Grenzen soll dem deutschen Volk angetan werden. Aus solchem aufgezwungenen Frieden müsste neuer Hass zwischen den Völkern und im Verlauf der Geschichte neues Morden erwachsen…“

Die Historiker sind sich heute einig, dass der I. WK die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts darstellte, die sich im Versailler Diktat fortsetzte, um dann im II. WK neu zu entflammen. „Für uns ist es eine unumstößliche Tatsache, dass der Zweite Weltkrieg im Vertrag von Versailles wurzelt. Wollt Ihr Deutsche diese Tatsache nicht vertreten?“

Nur der Geschichts-Unkundige spricht heute noch von der Deutschland in Versailles aufgezwungenen „Alleinkriegsschuld“. Und so hatte der II. WK bekanntlich viele Väter. Und weil das so ist, kann daran aber nicht einer allein die „Schuld“ tragen.

Churchill sprach vom zweiten 30-jährigen Krieg (1914-1945) wie später der ehemalige britische Premierminister John Major auch. Zum 50. Jahrestag des Kriegsausbruches hatten wir als britische Meinung dazu dann zur Kenntnis zu nehmen: „Wir (Anm. Großbritannien) sind 1939 nicht in den Krieg eingetreten, um Deutschland vor Hitler oder die Juden vor Auschwitz oder den Kontinent vor dem Faschismus zu retten. Wie 1914 sind wir für den nicht weniger edlen Grund in den Krieg eingetreten, dass wir eine deutsche Vormachtstellung nicht akzeptieren können.“ Solch edlen Grund muss man nicht kommentieren. Stellen Sie sich bitte aber mal vor, einer von uns täte das und würde einem von Deutschland geführten Krieg „edlen Grund“ unterlegen – was da wohl los wäre.

2005 wollten die Bundestags-Fraktionen von SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN den 08. Mai 2005 zu einem Gedenktag machen, bei dem aus ihrer Sicht im Zentrum der Auseinandersetzungen mit dem Kriegsende die Tatsache stehen müsse, dass der Krieg in der nationalsozialistischen Diktatur begründet gewesen sei. Man forderte zwar auch die “Bürger“ auf, sich an der Debatte zu beteiligen, gab aber das Ergebnis dazu gleichzeitig vor, damit niemand wage, anderes darzustellen.

Der VdS, in dem sich Vertreter der Erlebnisgeneration zusammenschlossen, folgte dieser „Aufforderung“ und gab deshalb zum 60. Jahrestag des Kriegsendes die Broschüre „8. Mai 1945 – Erlöst und vernichtet zugleich“ – Ursachen und Folgen des II. Weltkrieges“ heraus, in der die tatsächlichen Zusammenhänge dargestellt wurden. Daran haben wir heute – fünf Jahre später – kein Jota zu verändern. Der VdS sandte im April 2005 jedem Bundestagsabgeordneten eine solche Broschüre. Es war Herr Thierse, der als Bundestagspräsident seinerzeit dafür verantwortlich zeichnete, dass die Auslieferung dieser persönlichen Post über die Bundestagsverwaltung verhindert wurde. Es lebe die Meinungs- und Informationsfreiheit.

Diese Ausarbeitung des VdS bleibt für Interessierte aber lesenswert. Sie geht inzwischen in 5. Auflage auf den Weg. Geben wir es vor allem an die junge Generation weiter, die oft nur mangelhaft informiert worden ist. Zwar trifft es zu, dass das Ende des Nationalsozialismus direkte Folge der deutschen Kriegsniederlage war, daraus aber einen Tag der Befreiung Deutschlands zu machen, was gleichzeitig als Absicht der Initiative beider Bundestagsfraktionen dargestellt wurde, ist eine glatte Geschichtsfälschung.

Wir schrieben damals, und es behält Gültigkeit: Wer einen Staat befreien will, schafft die Unterdrückung bzw. den Unterdrücker dieses Staates ab. Darüber hinaus geht er nicht. Wie war das nun mit den Kriegszielen der Alliierten? War das Gewollte nicht die „Vernichtung Deutschlands“, von dem deshalb als Voraussetzung dafür die bedingungslose Kapitulation verlangt wurde. Und so kam es dann – so ist die Wahrheit.

Deutsche Städte waren – auch noch nach Hitlers Tod noch – in Schutt und Asche gelegt worden. Deutsche erlebten millionenfache Vertreibung, Ermordung, Vergewaltigung, Beraubung, Verschleppung – sie waren Opfer, aber keine Befreiten. Historische Tatsachen wie die völlige Zerschlagung und Entrechtung des Deutschen Reiches, seine Beraubung, Ausplünderung und Entindustrialisierung erfüllen wohl auch nicht den Tatbestand der „Befreiung“. Singuläre Kriegsverbrechen allemal – ungesühnte noch dazu!

Warum nimmt der Verband deutscher Soldaten an dieser Debatte immer wieder teil, bei der es nicht um Relativierung des Tuns einer Seite gehen kann. Ebenso wenig kann es Absicht sein, Schuld zuzuweisen. Absicht des VdS bleibt einzig und allein der Wunsch, dazu beizutragen, dass die Debatte auf der Grundlage der Wahrheit geführt wird – vor allem um der jungen Generation willen.

Die Völker Europas und Amerikas sind aneinander schuldig geworden. Wenn die Europäische Union das Friedenswerk für unsere Zeit werden soll, dann kann das nur gelingen, wenn keiner der Staaten auf ewig in Sack und Asche dahergehen muss. Kriegsverbrechen, von wem auch immer begangen, müssen genannt und einander vergeben werden. Das war der Grund für die Initiative des Verbandes deutscher Soldaten, vom September 2009, für einen „Vorschlag Deutschlands zum Friedensschluss

Versöhnung und Ausgleich müssen das Anliegen des Gedenkens aller Völker am 08. Mai 2010 sein. Die Geschichtslüge ist das schlimmste Hindernis für das friedliche Zusammenleben der Völker. Wahrheit – Gerechtigkeit – Freiheit stehen in einem direkten Bezug zueinander. Dem war und bleibt der VdS verpflichtet und deshalb melden wir uns zu Wort.

Frau Merkel erklärte am 16. März 2007 in der Universität Warschau: „Eine Revision des Geschichtsbildes darf es durch Deutschland nicht geben und wird es nicht geben.“ Nun denn, wenn Deutschland es nicht „darf“ – es uns also untersagt ist (wer verbietet es uns?), dann wäre das „wird-es-nicht-geben“ hintersinnig ausgedrückt. Meinte Frau Merkel das so? Das wäre erstaunlich! Sollte sie aber gemeint haben, dass historische Forschung unterbleiben muss, damit die Wahrheit nicht an den Tag kommt und Geschichtswertungen nicht geändert werden können, dann wäre diese Aussage töricht.

„Glaube nicht, worüber man dir verbietet zu reden!“ Und wenn historische Aussagen gar ein Gesetz haben um den Glauben an den Inhalt dieser Aussagen zu erzwingen, dann muss sich der Gesetzgeber nicht wundern, wenn diese Geschichte erst recht niemand glaubt. Die Wahrheit lebt immer aus sich selbst heraus. Die Wahrheit braucht kein Gesetz.

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2 Antworten bis “Die Wahrheit braucht kein Gesetz”

  1. PatriotNo Gravatar sagt:

    Im Verlaufe der Potsdamer Konferenz wurde von den Alliierten Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt!
    Von “Befreiungszonen” war hier keine Rede!

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